Alkohol & Laufen?

Reine Kopfsache…

BJÖRN WIRTH

feiert alkoholfrei Halbzeit. Mit Spreequell, natriumarm und enteisend

Einige Kollegen halten es jetzt für unerhört komisch, einen auf ein Glas Wein einzuladen. Andere teilen ungefragt mit, dass sie sich gleich ein Bier holen. Wieder andere erkundigen sich mit gedämpfter Stimme, wie es so geht. Und das nur, weil man sich in einem Moment der Sorglosigkeit verpflichtet hat, vier Wochen auf jedwede Form von Alkohol zu verzichten. Die Hälfte der Zeit ist rum, es geht so, danke der Nachfrage. Alles reine Kopfsache.

Schwer wird es nur, wenn man vor seinem Kaktusfeigendingsbumstee sitzt und sich fragt, was das eigentlich soll und warum man das eigentlich macht. Auf Festen und Feiern ist man nur noch der Fahrer, auch der montägliche Betriebssport, wo bejahrte Herren in kurzen Hosen sich gegenseitig versichern, das hier habe etwas mit Fußball zu tun, büßt mit dem fehlenden Bier danach seinen Höhepunkt ein. Dafür kennt man jetzt zwölf verschiedene Mineralwassersorten, was nicht heißt, dass man irgendeinen Unterschied zwischen Spreequell und San Pellegrino herausgefunden hat. Aber, mein Gott, man kann nicht alles haben, das Leben ist nicht nur Feiern und Fußball, manchmal ist das Leben auch Spreequell, natriumarm und enteisend. Dafür lebt man krachgesund, so ganz ohne Alkohol.

Von wegen. Ein, zwei Gläschen am Tag schaden überhaupt nicht, heißt es in einer neuen Studie in einem dieser bunten Blätter. Moderate Alkoholzufuhr verringert das Herzinfarktrisiko, auch der Kreislauf freut sich über den einen oder anderen Schluck. Die beste Medizin soll übrigens Bier sein. Bier hat entzündungshemmende Wirkung, Bier fängt die freien Radikalen ein, Bier mindert die Wahrscheinlichkeit von Schlaganfällen, Bier hilft gegen Knochenschwund.

Gut zu wissen. Aber leichter macht es die Sache nicht.

Berliner Zeitung, 20.11.2006